Die Erfindung der Taschenuhr – Geschichte, Erfinder und Entwicklung
2025-08-12 18:29:18 - Text und Bild: Daniel Heckmann - Die Welt der Uhren
Eine Zeitreise durch Geschichte und Technik
Von den ersten Uhrwerken mit Federantrieb bis zur weltweiten Verbreitung der tragbaren Zeitmesser – die Entwicklung der Taschenuhr prägte die Geschichte der Uhrmacherkunst nachhaltig.
Vom Turmuhrwerk zur tragbaren Uhr
Bevor tragbare Uhren überhaupt denkbar waren, dominierten große, ortsgebundene Uhrwerke mit Gewichten und Pendeln das Bild. Diese Konstruktionen waren abhängig von äußeren Einflüssen wie Temperatur und Witterung und erforderten regelmäßige Wartung. Mit der Erfindung der Uhrfeder im späten 15. Jahrhundert änderte sich alles: Die flache, spiralförmig gewickelte Stahlfeder ermöglichte erstmals kompaktere, transportable Uhren.
Frankreich gilt als eines der ersten Länder, in denen bereits im 15. Jahrhundert Uhren mit Federantrieb in Wandform existierten. Die Idee, die Kraft einer gespannten Feder als Antrieb zu nutzen, revolutionierte die Uhrmacherei – sie war der entscheidende Schritt hin zur tragbaren Uhr.
Peter Henlein und die Geburtsstunde der Taschenuhr
Der Nürnberger Schlosser Peter Henlein wird oft als Erfinder der ersten echten Taschenuhr bezeichnet. Um 1511 erwähnte der Gelehrte Johann Cochläus Henlein als Schöpfer kleiner Uhren, die – ohne Gewichtsantrieb – über 40 Stunden präzise liefen, selbst wenn man sie in der Tasche trug.
Nürnberg, im 15. und 16. Jahrhundert eines der führenden Zentren für Kunst, Handwerk und Wissenschaft, bot den idealen Nährboden für solche Innovationen. Die Stadt war bereits berühmt für mathematische und astronomische Instrumente, für Metallverarbeitung und feine Mechanik.
Formen und Materialien – Von „Nürnberger Eiern“ und Meisterwerken
Entgegen der landläufigen Meinung hatten die ersten Taschenuhren nicht die Form eines Eis, sondern eines flachen Trommelgehäuses. Die Bezeichnung „Nürnberger Ei“ geht vermutlich auf eine sprachliche Verformung des lateinischen Wortes „hora“ (Stunde) zurück.
Frühe Uhren wurden zunächst aus Eisen gefertigt, später aus Messing, Bronze, Silber oder Gold – oft reich verziert mit Gravuren, Edelsteinen und Emaille. Besonders prachtvolle Stücke wurden als Halsschmuck getragen. Im 17. Jahrhundert führte der französische Uhrmacher Jean Toutin eine neue Emaille-Technik ein, die noch heute für ihre Farbbrillanz bewundert wird.
Technische Fortschritte – Von der Minutenanzeige zum Wecker
Bereits im 16. Jahrhundert gab es Taschenuhren mit Weckerfunktion. Die Einführung der Spiralfeder durch Christiaan Huygens um 1650 erhöhte die Ganggenauigkeit deutlich. Ab diesem Zeitpunkt erhielten Taschenuhren auch eine Minutenanzeige – zuvor war nur die Stundenanzeige üblich. Um 1700 kamen Repetitionsuhren hinzu, die durch Schlagwerke die Uhrzeit akustisch wiedergaben.
Schweizer Uhrmacherei und internationale Verbreitung
Die Kunst der Taschenuhrherstellung erreichte bald auch die Schweiz. Der aus Frankreich stammende Uhrmacher Daniel JeanRichard gilt als einer der Begründer der Schweizer Uhrenindustrie. Inspiriert durch ein englisches Modell begann er im späten 17. Jahrhundert eigene Uhren zu fertigen und entwickelte sogar Maschinen zur Zahnradproduktion. Seine Werkstatt in Le Locle legte den Grundstein für eine Uhrmachertradition, die bis heute weltberühmt ist.
Historische Bedeutung und bleibendes Erbe
Die Erfindung der Taschenuhr markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Zeitmessung. Sie machte die exakte Zeit überall verfügbar – ein entscheidender Vorteil in einer Epoche, in der Reisen, Handel und wissenschaftliche Experimente immer mehr präzise Zeitangaben erforderten. Von den frühen Nürnberger Meisterwerken bis zu den feinen Schweizer Konstruktionen erzählt die Taschenuhr von handwerklichem Können, technischer Innovation und kulturellem Prestige.
Quellenhinweis: Dieser Artikel basiert auf historischen Aufzeichnungen und zeitgenössischen Berichten über die Entwicklung der Taschenuhr im 15.–18. Jahrhundert.